Das Gelingen einer Revitalisierung setzt voraus, daß der Architekt sich das Bestehende zu eigen macht.
Er hat die Verantwortung für das ganze Haus zu tragen, nicht nur für seine Zutaten. Beides übergibt er dem Auftraggeber, der beides bewohnen wird. Das Gegenteil sind Hinzufügungen, die absichtlich den Kontrast, einen Zeitenbruch herstellen und auftreten, als wollten sie das Gebäude mißachten oder verhöhnen.
Der Zeitverbrauch bei der Durchführung der von ihm eingeleiteten Maßnahmen war wegen des in hohem Grad eigenverantwortlichen Zusammenspiels der beteiligten Handwerker sehr gering. Möglichst schonend wurden die praktischen Dienstbarkeiten eingefügt (Heizung, Elektrik, Isolationen usw.).
Die mit dem Quergiebel („Frankenspitz“) intendierte straßenseitige Türöffnung wurde realisiert. Die Funktion der Bassena im Erdgeschoß wurde an ein unauffällig plaziertes Bad weitergegeben. Die alte Toilette im Obergeschoß wurde in ein zweites Bad verwandelt. Dort und im Flur kam graugesprenkelter Asphaltguß zum Einsatz.

Im Fall des „Rossegger-Hauses“ in Jauring bei Aflenz mußte DI Oliver Seindl die historische Substanz zunächst von den Eingriffen des letzten Jahrhunderts befreien. Erst als die Anlage des Mehrfamilienhauses von 1892 wieder rein hergestellt war, konnte er sie in die Gegenwart transformieren und gewissermaßen weiterdenken.

Die hölzerne Veranda, eine dekorative Erweiterung wohl aus den 20er Jahren auf der Hofseite, wurde nach alten Vorbildern blau gestrichen. Der notwendig gewordene Zusatzkamin aus Edelstahl sticht an der Südfront mit leichter Schrägneigung in den Himmel, um das Dach nicht zu verletzen, und bildet mit seiner Schiefe ein ironisierendes Stilzitat der vergangenen Moderne.
Der Außenanstrich wurde in warmem Gelb erneuert, mit größter Sorgfalt im Hinblick auf die Vorbild-wirkung, die ein solches historisches Gebäude für die ganze Umgebung hat.
Das Bestehende aufgreifen, nicht bekämpfen – diese Leitlinie gab dem Haus zu vergleichsweise wenigen Kosten seine Qualität zurück. Die einfache Innengliederung, die von zeitloser Funktionalität ist, schenkt den Bewohnern dadurch, daß sie keine Nutzungen diktiert, freien Entfaltungsspielraum. Die optische Qualität ist durch die kassettierten Türen, die zusätzliche Gestaltung von Türbögen vor den abschließenden Türbalken, die abgeschrägten Mauerkanten und die gekehlten Übergänge von den Wänden zu den Decken sehr hoch.
Die streng proportionierten Fenstergitter im Erdge-schoß verleihen nicht nur ein willkommenes Sicherheitsgefühl, sondern definieren – anders als es die bloße Maueröffnung könnte – den Fenster-durchblick als ein selbständiges, bewußt erlebbares Architekturelement. Die Kastenfenster und die einen halben Meter dicken Mauern weisen hervorragende Dämmeigenschaften auf.
Das sofort spürbare angenehme Raumgefühl basiert nicht zuletzt auf der fast vollständigen Reduktion der Materialien auf die in der Erbauungszeit eingesetzten. Die Einrichtung folgt der Idee der unkomplizierten und streßfreien Nutzung des Gebäudes auf hohem Qualitätsniveau; in den Küchen stehen Holzherde.
Jedes Bauen ist ein Weiterbauen. Kein Haus entsteht ohne die Einfügung in eine kulturelle Landschaft und in eine natürliche Gegebenheit aus Vegetation und Gelände. Das „Haus Steininger“ von DI Oliver Seindl ist ein Musterbeispiel für die Erfüllung einer Bauaufgabe im Sinne der „konkreten Architektur“. Aus weiter Ferne wirkt das Gebäude, als stünde es schon über 100 Jahre dort.
Der geschlossene, massive Baukörper scheint mit seinem rechteckigen Grundriß, dem grauen Verputz und dem eng aufliegenden Satteldach den Schlichtheiten lokaler Baugewohnheiten zu folgen.

Die Westfassade ist gewissermaßen der Rücken des Hauses, gestaltet nur mit der unterteilten und verglasten Terrassentüre und dem Edelstahlkamin, der haarscharf an der Symmetrieachse vorbeigeht.

Der eigentliche Eingang liegt auf der Nordseite verborgen hinter einer großen orangenen Wand, die vordergründig die Witterung abhält und hintergründig darauf verweist, daß hier die Baumarktästhetik, die sich sonst so gern der Eingänge bemächtigt, ihre Wirkung nicht entfalten wird.

Erst dem genauen Blick erschließt sich die Raffinesse dieser Annäherung, die mit spielerischer Ironie vollzogen wurde. Die Hanglage ist dazu genutzt, den Keller als falsches Geschoß einzusetzen, eine Irreführung, die aber sofort wieder durch das umlaufende Metallband, das den Beginn des eigentlichen Erdgeschoßes markiert, und den halb auf die östliche Schauseite herumgezogenen balkonartigen Umgang zurückgenommen wird. Die Fenster wiederholen in freier Variation das Nebeneinander von Fenster und Türe im Kellergeschoß, auch wenn sie in den Geschoßen darüber nur noch Fenster sind. Am Ende der fünfeckigen Schauseite sitzt wie ein Zitat in Form eines Oculus das traditionelle „Eulenloch“. Der relingartige Balkon entpuppt sich im weiteren Verlauf als hölzerne Terasse, die vor der Westfassade den Boden bedeckt.

Die Südfassade spielt ebenfalls mit den Formen von Fenstern und Türe, wobei hier der Ausblick auf die breiten Wandfenster gleichsam von Innen fixiert ist, weil die Verbindung zwischen Balkon und Terrasse in diesem Abschnitt zu einem Verbindungsgang geschrumpft ist.

Das Innere des Hauses ist gemäß den Wünschen der Bewohner ausdifferenziert. Besonderen Wert legte der Architekt auf die Führung des Lichts, das das Erdgeschoß von allen Seiten her erhellt und auch den Aufgang zum Obergeschoß mitmodelliert.

Wir sind gewohnt, daß die gewöhnlichen Bauten der Moderne rasch veralten, so daß ihr Anblick oft schon nach 20 Jahren unerträglich wird. Ihnen waren nicht die Kennzeichen eines zeitunabhängigen Gestaltungswillens eingeschrieben, sondern sie trugen lediglich die Markierungen ihres Entstehungsjahrs. Für die Richtung der „konkreten Architektur“ sind Neubauen, Weiterbauen und Revitalisieren keine sich widersprechenden Kategorien. Das „Haus Steininger“ kann unter diesem Aspekt auch wie ein revitalisiertes älteres Gebäude gelesen werden, also wie das „Rossegger-Haus“. Wenn Architektur nicht zum Wegwerfdesign verkümmern will, muß sie solchen Überlegungen folgen.

Johann Konrad Eberlein

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