EINFÜGUNGEN KONKRETER ARCHITEKTUR WEITERBAUEN IM DIALOG MIT DEM VORGEFUNDENEN

Der Holzbaumeister Johann Tiefengraber und DI Oliver Seindl treten dafür ein, dass neue Architektur nur dann als Werk vollendet ist, wenn sie auch baulich an einem bestimmten Ort fertiggestellt werden kann. Nicht durch die Planung oder die architektonische Idee, sondern durch die bauliche Umsetzung gewinnt Architektur künstlerische Vollendung.
Durch das Beispiel eines Baumhauses soll ausgedrückt werden, dass ein Architekt, wenn er neue Räume errichtet, nur dem Ganzen dient. Bauten werden nach dieser Philosophie zu Einfügungen. Sie ist, um beim Beispiel des Baumhauses zu bleiben, eine sekundäre Struktur, die der Architekt dem für die Bauaufgabe vorgefundenen Ort einfügen kann. Dass kein Ast des Baumes zur Errichtung des neuen Werks weggeschnitten werden musste, sondern die Baumhausplattform eine natürliche Kahlstelle des alten Baumes füllt, kann symptomatisch für den Anspruch einer Konkreten Architektur stehen, bei der Architektur als sekundäre Struktur, durch Einfügungen der primären Struktur des Vorgefundenen keine Beschädigung zufügt.

Bei den Häusern Weinzierlweg in der Kastralgemeinde Weinzierl bei Wieselburg in Niederösterreich liegt ein Grundstück zugrunde, das sich am äußersten Rand einer bäuerlichen Kernsiedlung befand. Auf die Grundstruktur der Ortschaft, die sich um eine Hauptstraße entwickelt hat, wurde eingegangen und der Neubau dem Vorgefundenen eingefügt. Mit den Mitteln der modernen Modulbauweise wurde ein barrierefreies Mehrfamilienwohn-objekt, das in seiner baulichen Ausrichtung den bäuerlichen Paarhof zum Vorbild nahm, errichtet. Zwei langgestrekte Gebäude stehen einander parallel, doch in der Länge etwas versetzt gegenüber und bilden einen Hof. Nicht nur die mit kecken Fenstern als gegenwärtig akzentuierte Fassade nimmt in Proportion, Färbelung und Putzstruktur Bezug zu den bäuerlichen Vorbildern, sondern auch die ziegelgedeckten Satteldächer korrespondieren mit der traditionellen Siedlungsstruktur.

Einf1

Das Projekt Haus Kneil in einem Wiener Außenbezirk, ist die Sanierung eines einzelnen Hauses einer um 1925 entstandenen Offizierssiedlung, in der die einzelnen Häuser paarweise und eng aneinander gerückt errichtet wurden. Das bestehende Wohnobjekt wurde bei der Renovierung in seiner Grundstruktur scheinbar unverändert belassen. Dennoch ist die Wohnfläche durch einen flach gedeckten Zubau in Modulbauweise, der die Traufhöhe des Altbestandes erreicht, erheblich erweitert worden. Obwohl eine thermische Sanierung nötig geworden war, konnte das ursprüngliche architektonische Konzept erhalten bleiben. Weder Fenstergrößen noch Putzstruktur der Fassade wurden durch die Anbringung des Vollwärmeschutzes verändert. Auch die ursprüngliche Sprossung wurde bei den erneuerten Fenstern unverändert vom Vorbild des Altbestandes übernommen. Die Proportion des Daches blieb trotz völliger Erneuerung mit Kaltdachaufbau im Verhältnis zur Proportion des Hauses unverändert. Die Deckung mit dem traditionellen Wiener Taschenziegel wurde erneuert.

Einf2

Das Haus Rath-Gass in St. Marein im Mürztal wurde auf neu ausgewiesenem Bauland errichtet. Auf dem Grundstück orientierte der Architekt den Baukörper nicht parallel zur Straße, sondern nahm Bezug zur traditionellen Nord-Südausrichtung des angrenzenden Bauerngehöfts. Er verschob die Gebäudeachse aber so, dass sich für die Wohnräume die ideale Ausrichtung nach Süd-West ergibt. Der Baukörper, ist ein lang gestrecktes ebenerdiges Haus mit Satteldach, die Fassadengestaltung mit ruhigen Fensterachsen betont die horizontale Ausrichtung. Die bewusste Platzierung lässt den Neubau wie einen selbstverständlichen Teil der ländlichen Umgebung erscheinen.

Einf4-615

Im Projekt Haus Wildon konnte bei einem Einfamilienwohnhaus der Zeit um 1950 durch einen kubischen Zubau, das unter einem relativ niedrigen Dach gelegene Obergeschoss, als eigenständiger Wohnbereich gewonnen werden. Auf zwei Drittel des ungenutzten Flachdachs eines früheren Anbaus wurde in Modulbauweise ein geräumiger Wohnraum errichtet, der zum Garten orientiert ist. Eine zusätzliche Nasszelle für den ersten Stock konnte unter wenig Aufwand an die vorhandenen Installationen im Geschoß darunter angeschlossen werden. Der übrige Bereich des ehemaligen Flachdachs wird nach dem Umbau als Terrasse genutzt. Sie ist über eine Wendeltreppe mit dem Garten verbunden. Der gegenwärtige Fassaden- und Dachaufbau versucht die Elemente verschiedener Bauabschnitte zu einem neuen Haus zu vereinen.

Einf3

Das Haus Berger bei Mörbisch im Burgenland wurde auf einem Grundstück errichtet, das in unmittelbarer Nähe des Neusiedler Sees liegt. Auf diese Umgebung wurde besonderer Bezug genommen. Das Haus steht auf einer Holzplattform, die von schmalen Betonträgern 15 cm über Bodenniveau gehoben ist. Das Problem des feuchten Bodens, bei der Errichtung von Wohnobjekten am nahen Wasser, ist dadurch überwunden. Auf die alte Alleestraße, die das Grundstück erschließt und ein rasterartiges System von Bauland, Seezone und Straßenraum erzeugt, wurde Bezug genommen und das Einfamilienwohnhaus am Grundstück im strengen rechten Winkel zur Allee platziert.

Einf5-600
Wie das Baumhaus, das als sekundäre Struktur der vorgefundenen primären Struktur das keinen Schaden, sondern eine Ergänzung hinzufügen will, kann auch die Modernisierung der Stiege des Rosseggerhauses in Jauring bei Aflenz verstanden werden. Die über hundert Jahre alte Stiege wurde nicht ersetzt, sondern den zu modernem Wohnen adaptierten Haus neu eingefügt. Eine Wand und eine Türe, die Sichtbarrieren zwischen Obergeschoß und Erdgeschoß gebildet hatten, wurden entfernt. Die Stiege konnte so zum Gangraum geöffnet werden. Eine leichte Lattenkonstruktion dient als verbindendes Baumotiv zwischen den Stockwerken. Die dunklen Holztreppen werden mit dem Licht des Gangraums im Erdgeschoß belichtet. Von einem Fenster im Dach fällt zudem Licht ein. Aus einem engen Gangraum mit Dachbodenstiege wurde so ein Treppen-haus, das als helles Entrée die Wohngeschoße zentral verbindet. Die erhaltene Patina der Holzstufen, in Ver-bindung mit der modernisierten Raumkonstruktion, gibt Eindruck vom architektonischen Anspruch des Bauvorhabens: nämlich im Sinne der Konkreten Architektur weiterzubauen.

Claus Pressl

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Entwürfe:

DI Oliver Seindl

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